Rohstoffe - nichts für schwache Nerven (in german)
Warum sollten Privatanleger Rohstoffe kaufen und nicht in Aktien, Bonds oder Hedge Fonds investieren? Ein Grund ist natürlich, dass besonders die sogenannten Soft-Commodities, also Nahrungs- mittel und dergleichen, noch weit von ihren Hochständen entfernt sind. Die besten Jahre für Aktien sind dagegen schon vorbei. Ich bin mir sicher, dass, abgesehen von einigen Aus- nahmen vielleicht, die meisten Werte bestenfalls seitlich gehen werden. Und auch Anleihen haben ihre besten Jahre längst hinter sich gelassen. Diese Dekade wird definitiv durch eine Hausse im Rohstoffsegment geprägt sein. Was sind die größten Risiken bei einem Investment in Soft-Commodities? Unwissenheit und ein schwaches Nervenkostüm. Fast alle, die mit Rohstoffen viel Geld verloren haben, sind viel zu früh bei kleinen Kurseinbrüchen ausgestiegen. Auch die Anlagesumme kann ein Risikofaktor sein. In Rohstoffe sollte man höhere Summen investieren. Wer diese Summe über Kredite finanziert, kann natürlich mehr Geld verlieren als er hat. Würden Sie privaten Anlegern direkte Investments in Sojabohnen, Getreide usw. empfehlen? Oder lohnt sich der Umweg über Rohstoffaktien? Sie werden sich bestimmt noch an Enron erinnern. Die US-Firma handelte mit Erdgas. Aber trotz steigendem Erdgaspreis konnte man mit Enron-Aktien keinen Blumentopf gewinnen. Natürlich ist das nur ein Beispiel und sicher gibt es ab und zu Rohstoffaktien, mit denen man mehr Gewinn machen kann als mit den Rohstoffen selbst. Aber auf der ganzen Welt gibt es z.B. mehr als 160 Kupferminenaktien. Sollte der Kupferpreis steigen, können Sie sich die Mühe sparen nach einer Aktie zu suchen, die mehr Gewinn macht als das Kupfer selbst. Viele Rohstoffe sind bereits stark gestiegen. Es sind bereits erste Warnzeichen erkennbar. Wie groß ist die Gefahr größerer Korrekturen? Tatsächlich sind größere Korrekturen wahrscheinlich, besonders falls die von mir erwartete harte Landung der chinesischen Konjunktur eintreten sollte. Da ich aber ein ziemlich schlechter Markt-Timer bin, möchte ich über das keine Prognosen abgeben. Wenn die von mir vorhergesagten Rückschläge aber eintreten, sollten sie unbedingt genutzt werden. Denn das wäre dann die Kaufgelegenheit des Jahrzehnts! Wenn Sie genau einen Rohstoff für die kommende Zeit auswählen dürften, welchen würden Sie wählen? Wie wären denn Erdöl oder Zucker? Erdöl würde ich auf gar keinen Fall wählen. Zucker schon eher. Der Wert notiert deutlich unter seinem Allzeit-Hoch. Und gerade bei steigenden Ölpreisen würde ich auf Zucker setzten. Bei meinen Reisen war ich auch in Brasilien, dem größten Zuckerexporteur der Welt. Dort wird ein Teil der Zuckerernte in Ethanol umgewandelt. Bereits 6 von 10 der dort produzierten Autos können damit fahren. Sollte der Ölpreis weiter steigen, was sehr wahrscheinlich ist, wird immer mehr Zucker auch außerhalb von Brasilien in den Fahrzeugtanks verschwinden – und steht damit nicht mehr für den Verkauf auf dem Weltmarkt zur Verfügung. Welche anderen Rohstoffe halten Sie derzeit für besonders interessant? Die meisten Agrarprodukte. Für besonders interessant halte ich Baumwolle und Sojabohnen. Hat das Wirtschaftswachstum in China und Indien mit Ihrem Optimismus für diesen Sektor zu tun? Ja, natürlich. Die meisten Menschen in den Entwicklungsländern dieser Welt würden gerne mehr und besser essen. Bei steigenden Lebensstandards werden viele genau dieses Bedürfnis als erstes befriedigen und so die Nachfrage steigen lassen. Was ist dann Ihre Meinung zu Edelmetallen? Von Gold und Silber halte ich wenig. In naher Zukunft wird man mit Zucker oder Baumwolle weit höhere Gewinne erzielen können. Falls aber die geo- und finanzpolitischen Krisen der Welt eskalieren sollten kann man auch mit Edelmetallen gutes Geld verdienen. Von welchen Krisen sprechen Sie jetzt genau? Welche politischen Entwicklungen erwarten Sie? Meiner Meinung nach haben die USA den Gipfel ihrer Macht überschritten. China dagegen wird der Aufsteiger des 21. Jahrhunderts sein. Die Geschichte zeigt, dass solche Machtverschiebungen nur sehr selten ohne größere Turbulenzen vonstatten gegangen sind. Rohstoffhaussen liefen solchen politischen Krisen oft voraus. Falls es sogar zu kriegerischen Auseinandersetzungen in der Übergangsphase kommen sollte, was ich nicht hoffe, werden die Rohstoffpreise natürlich noch weitaus stärker zulegen, als es zu diesem Zeitpunkt abschätzbar ist. Hätten nicht eigentlich die bisherigen Preissteigerungen bei Rohstoffen zu deutlich höheren Inflationsraten führen müssen? Aber die Statistiken spiegeln dies bisher kaum oder gar nicht wider… Das liegt daran, dass die Regierungen ihre Bürger über die tatsächliche Höhe der jeweiligen Inflationsrate belügen. Ich weiß nicht, wie die deutsche Regierung sich verhält, aber meine, also die amerikanische, lügt definitiv – wofür sie natürlich gute Gründe hat. Woher nehmen Sie diese Gewissheit? Fast alles was ich einkaufe, ob Kleidung, Lebensmittel oder Benzin, ist in den letzten Jahren deutlich teurer geworden. Ich weiß ja nicht, in welchen Läden unsere Regierungsvertreter einkaufen – aber falls Sie es erfahren, sagen Sie mir bitte Bescheid. Die Gründe für die geschönten Statistiken liegen aber klar auf der Hand: Zum Einen mögen die Wähler keine hohen Inflationsraten und zum Anderen, was viel wesentlicher ist, sind viele Staatsausgaben im Sozialbereich gesetzlich an diese Teuerungsrate gekoppelt. Da ist es doch klar, dass meine Regierung gerne die Statistik schönt. […] Interview: FinanzBuch Verlag